CVE-2023-0266
Linux Kernel Use-After-Free Vulnerability
Beschreibung
CVE-2023-0266 ist eine Use-after-free-Schwachstelle im ALSA PCM-Subsystem des Linux-Kernels. Die Sicherheitslücke befindet sich in den IOCTL-Handlern SNDRV_CTL_IOCTL_ELEM_READ32 und SNDRV_CTL_IOCTL_ELEM_WRITE32, bei denen fehlende Sperrmechanismen (Locks) zu einem Zugriff auf bereits freigegebenen Speicher führen. Ein lokaler Angreifer kann diese Schwachstelle nutzen, um eine Privilegieneskalation durchzuführen und Ring-0-Zugriff (Kernel-Ebene) zu erlangen. Die CISA hat CVE-2023-0266 in ihren KEV-Katalog aufgenommen, was eine aktive Ausnutzung bestätigt. Mit einem CVSS-Score von 7.9 (HIGH) stellt diese Schwachstelle ein erhebliches Risiko für Linux-Systeme dar.
KEV-Informationen
CVSS-Score
CVSS:3.1/AV:A/AC:H/PR:L/UI:N/S:C/C:L/I:H/A:HIm Rechner öffnenBetroffene Produkte
| Hersteller | Produkt | Version |
|---|---|---|
| debian | debian linux | 10.0 |
| linux | linux kernel | >= 4.14, < 4.14.303; >= 4.15, < 4.19.270; >= 4.20, < 5.4.229; >= 5.5, < 5.10.163; >= 5.11, < 5.15.88; >= 5.16, < 6.1.6 |
Mehrere CVSS-Bewertungen
CVSS:3.1/AV:A/AC:H/PR:L/UI:N/S:C/C:L/I:H/A:H
CVSS:3.1/AV:L/AC:H/PR:L/UI:N/S:U/C:H/I:H/A:H
Referenzen
- https://git.kernel.org/pub/scm/linux/kernel/git/stable/stable-queue.git/tree/queue-5.10/alsa-pcm-move-rwsem-lock-inside-snd_ctl_elem_read-to-prevent-uaf.patch?id=72783cf35e6c55bca84c4bb7b776c58152856fd4(Mailing List, Patch, Vendor Advisory)
- https://github.com/torvalds/linux/commit/56b88b50565cd8b946a2d00b0c83927b7ebb055e(Patch)
- https://github.com/torvalds/linux/commit/becf9e5d553c2389d857a3c178ce80fdb34a02e1(Patch)
- https://lists.debian.org/debian-lts-announce/2023/05/msg00006.html(Mailing List, Third Party Advisory)
- https://www.cisa.gov/known-exploited-vulnerabilities-catalog?field_cve=CVE-2023-0266(US Government Resource)
Schwachstellentyp
CWE-416: Use After Free
Bei CVE-2023-0266 liegt eine Use-after-free-Schwachstelle vor, bei der das ALSA PCM-Subsystem des Linux-Kernels auf Speicherbereiche zugreift, die bereits freigegeben wurden. Durch fehlende Lock-Mechanismen in den IOCTL-Handlern SNDRV_CTL_IOCTL_ELEM_READ32 und SNDRV_CTL_IOCTL_ELEM_WRITE32 können freigegebene Speicherbereiche erneut verwendet werden, was zu einer Privilegieneskalation auf Kernel-Ebene führen kann.
Mehr erfahren: CWE-416 — Use After Free
Auswirkungsanalyse
CVE-2023-0266 besitzt einen CVSS-Score von 7.9 (HIGH) und erfordert einen Angriffsvektor über ein angrenzendes Netzwerk (Adjacent Network), was bedeutet, dass der Angreifer sich im selben Netzwerksegment wie das Zielsystem befinden muss. Die Angriffskomplexität ist hoch, was spezielle Bedingungen oder ein präzises Timing für die erfolgreiche Ausnutzung voraussetzt. Es werden niedrige Privilegien benötigt, jedoch ist keine Benutzerinteraktion erforderlich. Der Scope ist Changed, was bedeutet, dass die Schwachstelle Ressourcen außerhalb der verwundbaren Komponente beeinflussen kann. Vertraulichkeit (Niedrig): Ein begrenzter Informationsabfluss ist möglich. Integrität (Hoch) und Verfügbarkeit (Hoch): Ein Angreifer kann durch die Privilegieneskalation auf Kernel-Ebene Systemdaten manipulieren und das System zum Absturz bringen. Der EPSS-Score von 0,08 % (24. Perzentil) deutet auf eine geringe, aber durch die KEV-Aufnahme bestätigte aktive Ausnutzung hin.
Exploit-Reifegrad
Die CISA hat CVE-2023-0266 in ihren KEV-Katalog aufgenommen, was eine bestätigte aktive Ausnutzung in freier Wildbahn belegt. Die Behebungsfrist wurde auf den 20. April 2023 festgesetzt. In den öffentlich verfügbaren Referenzen finden sich Patches im Linux-Kernel-Repository, darunter die Commits 56b88b50565c und becf9e5d553c, jedoch sind keine dedizierten öffentlichen Exploit-Codes verlinkt. Der EPSS-Score von 0,08 % (24. Perzentil) ist relativ niedrig, was darauf hindeutet, dass die Ausnutzung technisch anspruchsvoll ist und wahrscheinlich in gezielten Angriffen stattfindet. Ein Zusammenhang mit Ransomware-Kampagnen ist derzeit nicht bekannt.
Behebung
- Linux-Kernel aktualisieren: Gemäß der KEV-Empfehlung der CISA sollten Maßnahmen gemäß den Herstelleranweisungen angewendet werden. Aktualisieren Sie den Linux-Kernel auf eine Version, die den Commit 56b88b50565cd8b946a2d00b0c83927b7ebb055e enthält, welcher die fehlenden Locks in den ALSA-IOCTL-Handlern ergänzt.
- Distribution-spezifische Patches einspielen: Für Debian-basierte Systeme stehen Patches über die offiziellen Sicherheitshinweise bereit (debian-lts-announce). Prüfen Sie die Paketmanager Ihrer Distribution auf verfügbare Kernel-Updates und installieren Sie diese zeitnah.
- Zugriff auf ALSA-Geräte einschränken: Beschränken Sie als Zwischenmaßnahme den Zugriff auf ALSA-Geräte und Sound-Kontrollschnittstellen auf vertrauenswürdige Benutzer. Entfernen Sie nicht benötigte Benutzer aus der Audio-Gruppe und überprüfen Sie die udev-Regeln für Audiogeräte.
- Systemüberwachung verstärken: Überwachen Sie Kernel-Logs (dmesg, syslog) auf ungewöhnliche ALSA-bezogene Fehlermeldungen oder Kernel-Panics. Setzen Sie Auditd-Regeln ein, um verdächtige IOCTL-Aufrufe an Sound-Geräte zu protokollieren.
- Langfristige Kernel-Härtung: Aktivieren Sie Kernel-Sicherheitsfeatures wie KASAN (Kernel Address Sanitizer) in Testumgebungen, um Use-after-free-Fehler frühzeitig zu erkennen. Halten Sie den Kernel stets auf dem neuesten Patchlevel und evaluieren Sie den Einsatz von Kernel-Livepatch-Lösungen für kritische Systeme.
Technische Details
CVE-2023-0266 basiert auf einer Use-after-free-Schwachstelle (CWE-416) im ALSA PCM-Subsystem des Linux-Kernels. Konkret fehlen in den 32-Bit-Kompatibilitäts-IOCTL-Handlern SNDRV_CTL_IOCTL_ELEM_READ32 und SNDRV_CTL_IOCTL_ELEM_WRITE32 die notwendigen Locking-Mechanismen (rwsem-Lock), die verhindern, dass ein Kontrollelement während des Zugriffs freigegeben wird. Angriffsvektor (Adjacent Network): Der Angreifer muss sich im selben Netzwerksegment befinden, was die Ausnutzung auf lokale oder benachbarte Netzwerke beschränkt. Angriffskomplexität (Hoch): Die Ausnutzung erfordert präzises Timing, da die Race-Condition zwischen dem Freigeben und dem erneuten Zugriff auf den Speicher gezielt getriggert werden muss. Scope (Changed): Durch die Privilegieneskalation auf Ring-0 kann der Angreifer den gesamten Kernel-Adressraum beeinflussen und somit Ressourcen außerhalb des ALSA-Subsystems kompromittieren. Der Fix wurde durch das Verschieben des rwsem-Locks in die Funktion snd_ctl_elem_read implementiert, um den Zugriff während der gesamten Operation abzusichern.
Häufig gestellte Fragen
Wird CVE-2023-0266 aktiv ausgenutzt?
Ja, CVE-2023-0266 wird aktiv ausgenutzt. Die CISA hat diese Schwachstelle in ihren KEV-Katalog aufgenommen, was eine bestätigte Ausnutzung in der Praxis bedeutet. Die Behebungsfrist wurde auf den 20. April 2023 festgesetzt. Trotz des niedrigen EPSS-Scores von 0,08 % erfolgt die Ausnutzung wahrscheinlich in gezielten Angriffen.
Welche Produkte sind von CVE-2023-0266 betroffen?
CVE-2023-0266 betrifft den Linux-Kernel, insbesondere das ALSA PCM-Subsystem. Alle Linux-Distributionen, die eine verwundbare Kernel-Version einsetzen, sind potenziell betroffen. Debian Linux wird in den Sicherheitshinweisen explizit genannt.
Wie kann CVE-2023-0266 behoben werden?
Die Behebung erfolgt durch ein Update des Linux-Kernels auf eine Version, die den Patch-Commit 56b88b50565c enthält. Für Debian-Systeme stehen offizielle Sicherheitsupdates bereit. Zusätzlich sollte der Zugriff auf ALSA-Geräte eingeschränkt werden.
Wie schwerwiegend ist CVE-2023-0266?
CVE-2023-0266 hat einen CVSS-Score von 7.9 (HIGH) und ermöglicht eine Privilegieneskalation auf Kernel-Ebene (Ring 0). Dies gibt einem Angreifer vollständige Kontrolle über das betroffene System. Die Ausnutzung erfordert allerdings ein angrenzendes Netzwerk und hohe Angriffskomplexität.
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