AngriffssimulationJan Kahmen5 min Lesezeit

Was macht einen VPN-Tunnel sicher?

Bedenkenloses Surfen im Internet oder der risikominimierte Zugriff auf verteilte Anwendungen – dank VPN-Tunnel sicher im Internet unterwegs.

Mehr Privatsphäre und erhöhte Sicherheit in öffentlichen Netzwerken – das sind die größten Vorteile einer VPN-Verbindung. Sie vernetzt verteilte Standorte zuverlässig miteinander und ermöglicht sogar den sicheren Zugriff auf Firmendaten vom Flughafen aus. Moderne Arbeitskonzepte wie Homeoffice oder Vertrieb 4.0 wären ohne diese Technologie kaum denkbar. Darüber hinaus verhindert ein VPN die Auswertung Ihrer Traffic-Daten – ein nicht zu unterschätzender Vorteil in Zeiten strenger Datenschutzanforderungen. Klingt überzeugend, aber wie sicher ist ein VPN-Tunnel wirklich?

Was ist ein VPN-Tunnel?

Ein Virtual Private Network (VPN) ist ein geschlossenes Kommunikationsnetz auf einer öffentlich zugänglichen Infrastruktur. Während ein offenes WLAN zahlreichen Bedrohungen durch Cyberkriminalität Tür und Tor öffnet, verschlüsselt ein VPN-Tunnel die gesamte Kommunikation und sorgt so für deutlich mehr Sicherheit. Zusätzlich lässt sich über einen VPN-Zugang der eigene Standort verschleiern oder ändern, um auf ansonsten gesperrte Informationen, Daten und Anwendungen zuzugreifen – Stichwort „Geoblocking”.

Wie funktioniert ein VPN-Zugang?

Die VPN-Software verschlüsselt sämtliche Daten, die Ihr Rechner mit Servern im Internet austauscht. Nur die Kommunikationspartner innerhalb dieses geschlossenen Netzwerks können miteinander interagieren. Weder der Internet-Provider noch Dritte haben Einblick in die Kommunikation. Der Provider erkennt lediglich, dass Datenverkehr stattfindet – Inhalte und Herkunft der Daten bleiben verschlüsselt und verborgen. Greift ein Nutzer über einen VPN-Tunnel auf ein Netzwerk zu, erscheint es für das Netzwerk so, als befände sich der Rechner direkt am Unternehmensstandort.

Bei der Nutzung eines VPN-Netzwerks wählen Sie eigenständig eine IP-Adresse aus. Anders als bei herkömmlichen IP-Adressen wird diese nicht nur von Ihnen, sondern von allen Nutzern gleichzeitig verwendet – nicht selten sind das mehrere Hundert. Das stellt beispielsweise Kriminelle vor große Herausforderungen: Der Diebstahl von Zugangsdaten wird zur Herkulesaufgabe, da sich unter der Vielzahl an Nutzern mit derselben IP-Adresse ein Einzelner praktisch nicht identifizieren lässt. Mehr Informationen über VPN-Tunnel.

Wie lassen sich sichere VPN-Tunnel erkennen?

Wer die Kapazitäten und vor allem das Know-how mitbringt, sollte als Unternehmen erwägen, einen eigenen VPN-Server einzurichten. Da sich zukünftige Entwicklungen wie Unternehmenswachstum oder technischer Fortschritt oft schwer abschätzen lassen, empfiehlt es sich, groß zu denken, aber klein und bedarfsgerecht zu starten. Ist ein eigener Server keine Option, lässt sich auch eine marktgängige Softwarelösung einsetzen. Für Privatpersonen ist dies in der Regel der einzig praktikable Weg. Allerdings sollten Sie das Angebot kritisch hinterfragen, denn nicht alles, was Sicherheit verspricht, hält dieses Versprechen auch ein. Doch was zeichnet eine gute VPN-Software aus? Damit ein VPN-Tunnel sicher ist, müssen neben der Authentizität (= eindeutige Identifizierung autorisierter Nutzer) auch die Vertraulichkeit und Integrität (= Daten sind nicht veränderbar) der Verbindung gewährleistet sein.

Zuverlässige Anbieter bieten ihren Nutzern Zugang zu gängigen Sicherheitsprotokollen – das macht das Surfen im Netz deutlich sicherer. Point-to-Point-Tunneling (PPTP) sollten Sie jedoch mit Vorsicht betrachten: Das Netzwerkprotokoll gilt inzwischen als veraltet und nicht mehr sicher. Zeitgemäße Alternativen sind neben L2TP beispielsweise IPsec, IKEv2 (Internet Key Exchange Version 2) und OpenVPN. Gerade OpenVPN zählt zu den am weitesten verbreiteten Optionen und ist sowohl kostenpflichtig als auch kostenlos erhältlich. Die Software verschlüsselt mit bis zu 256 Bit – dem höchsten verfügbaren Verschlüsselungsniveau. Sie bleiben damit anonym im Netz. Verlässliche VPN-Lösungen verfügen zudem über einen Notausschalter (Kill Switch), der die Internetverbindung bei Störungen vorübergehend unterbricht, um Datenlecks zu verhindern. Einige VPNs blockieren darüber hinaus potenziell schädliche Websites und Pop-ups, bevor diese Schaden anrichten können.

Die Sicherheit von Netzwerken wird nach wie vor häufig überschätzt, während die Bedrohung durch Cyberkriminalität unterschätzt wird. Ein VPN bietet eine einfach einzurichtende Schutzmaßnahme, die jedes Sicherheitskonzept sinnvoll ergänzt. Die Zeiten, in denen eine VPN-Verbindung die Performance spürbar beeinträchtigte, sind vorbei – und dank der breiten Angebotspalette findet sich für jeden Anwendungsfall die passende Lösung. Dennoch sollten Sie sich bewusst sein, dass ein VPN-Tunnel keine vollständige Sicherheit garantiert. Absolute Sicherheit bleibt eine Utopie. Mit dem Einsatz eines VPN sind jedoch Unternehmen wie Privatpersonen gleichermaßen auf der sichereren Seite. Eine umfangreiche Dokumentation zum Thema VPN hat das BSI veröffentlicht.